In dieser Episode des Business Interviews Podcast sprechen wir mit Florian Hemmann.
Florian ist schon seit mehreren Jahren im Bereich des Software Testings und der Qualitätssicherung tätig. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen und was Unternehmen bei Software Testern beachten sollten.
3 Learnings des Gesprächs:
- Was gute und schlechte Software Tester voneinander unterscheidet.
- Wie viel ein QA Manager kostet.
- Warum Qualitätssicherung so wichtig ist und trotzdem oft vernachlässigt wird.
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Was ist Software Qualitätssicherung
Florian ist seit jeher in der Software Qualitätssicherung tätig. Von Games über Websites bis hin zu Apps prüft er als Abteilungsleiter einer kleinen Firma jegliche Software. Nebenberuflich ist er außerdem selbstständig.
Schon während der Schulzeit war Florian im Bereich des Software Testings aktiv. Nach seinem Studium hat er dann seine erste Firma gegründet und beschäftigt sich seitdem intensiv mit dem Thema Software Qualitätssicherung.
Software Qualitätssicherung kann man sich abstrakt gesehen ähnlich vorstellen, wie die Lebensmittelproduktion. Denn dabei gibt es auch Personen, die ständig prüfen, ob das Lebensmittel einen gewissen Standard einhalten kann. Wenn es um Software geht, ist der Prozess allerdings viel komplexer. Da Software aus vielen Milliarden Aspekten besteht, die alle funktionieren müssen, damit das große Ganze funktioniert.
Teil dieses Prozesses ist das manuelle Software Testing. Dabei beginnt man auf Basis von Anforderungen und Spezifikationen zu prüfen. Weitere Schritte inkludieren z.B. das Testmanagement, wobei Prüftechniken aufgesetzt und getestet oder angepasst werden. Alle Aspekte des Prozesses haben aber eines gemein, und zwar Kommunikation:
- Wie werden Workflows definiert?
- Welchen Zeitplan gibt es?
- Wie werden die Workflows abgearbeitet?
- Können wir etwas an den Workflows verbessern?
Alle diese Fragen haben die Kommunikation im Team und mit Kunden gemeinsam. Und letztlich hängt die Qualität der Software von der Qualität der Tests ab. Und die Testqualität ist abhängig von der Expertise der Tester.
Was macht einen guten Software Tester aus?
Florian nennt drei wesentliche Eigenschaften, die dazu beitragen, dass man als Software Tester oder Qualitätssicherung einen ausgezeichneten Job macht.
- Ein guter Hang zu Perfektionismus
Zu viel Perfektionismus sorgt oftmals für Verzögerungen oder Verbissenheit. Aber ein leichter Hang zum Perfektionismus sorgt für sehr sorgfältiges Arbeiten und qualitätsvolle Ergebnisse.
- Ein Drang zum Erkunden und Erforschen
Gute Tester erforschen Software gerne und finden dabei meist Schwachstellen oder Möglichkeiten zur Verbesserung. Dadurch können sie dann auch gleich sinnvolle Optimierungsvorschläge machen.
- Kommunikative Art
Wie bereits erwähnt, ist Kommunikation das A und O für gutes Testen. Daher ist es von Vorteil, wenn Tester eine kommunikative Art haben bzw. gute Kommunikationsskills mitbringen.
Missverständnisse zwischen den Leistungserbringern und den Kunden
Viele der Kunden wissen gar nicht, was Qualitätssicherung ist, weshalb es auch zu zahlreichen Missverständnissen oder generellen Irrglauben kommt. Generell wollen Florians Kunden einfach, dass das Produkt (in dem Fall die Software) besser performt. Dabei kommt oft das magische Dreieck zum Einsatz:
- Kosten
- Zeit
- Leistung
Alle drei Fakten können nur schwer erfüllt werden, das heißt, es braucht mehr Budget und Zeit, um die Qualität zu steigern. Um Missverständnisse zu vermeiden, geht Florian pragmatisch in der Erklärung der Qualitätssicherung vor. Daher erklärt er meist zuerst das Problem und verkauft dann den entsprechenden Lösungsansatz.
Dabei ist der eigentliche ROI die Tatsache, dass die Entwickler glücklich sind. Denn Entwickler sind meist viel glücklicher, nachdem sie Erfahrungen mit einem guten Tester gemacht haben.
Dabei erhalten sie nämlich konstruktive Kritik, die einen großen Mehrwert für die Arbeit darstellt. Alleine schon weil sie damit sowohl professionell als auch persönlich wachsen können. Außerdem erhalten Sie Informationen über Risiken der Software, bevor diese veröffentlicht wird.
Was kostet Qualitätssicherung?
Um diese Frage zu beantworten, fokussieren wir uns auf die Position eines Quality Assurance (QA) Managers. Dabei handelt es sich um sehr erfahrene Manager auf Senior Level, die Prozesse in einer Firma aufbauen und ähnlich wie CEOs mit Teams interagieren können.
Das heißt, diese Position kommt mit dem Mandat, Dinge verändern zu dürfen und zu müssen. Dabei muss man als QA Manager aber mit allen Beteiligten auf einen Nenner kommen, um Qualitätsmerkmale zu definieren oder Vorgaben umzusetzen.
Wer einen QA Manager als Coach anstellen möchte, muss mit Kosten von mindestens 90€ pro Stunde rechnen. Wer einen externen QA Manager mit Hands-On Mentalität möchte, der auch ein wenig Testmanagement macht, Mitarbeitende anleitet und sich am täglichen Arbeitsalltag aktiv beteiligt, steigt billiger aus. Hier sprechen wir von einem Preis ab 70€ pro Stunde.
Bei einer Fixanstellung eines QA Managers kommen einem diese Leistungen nochmals günstiger. Das liegt daran, dass es in dieser Branche keine direkte Ausbildung bzw. verpflichtenden Lehrgänge gibt. Auch wenn es Zertifizierungen für Software Testing oder QA Manager gibt, fehlt es an grundlegender Ausbildung.
Vor allem beziehen sich existierende Zertifizierungen nur auf theoretisches Wissen. Aber 90% der Arbeit in dieser Branche ist manuell. Somit sagen Theorieprüfungen nicht viel über die praktische Leistung einer Person aus.
QA Manager Fixanstellung – Wann macht es Sinn?
Tatsächlich gibt es nur wenige wirklich gute QA Manager. Nachdem die Festanstellung außerdem bezogen auf den Stundenlohn günstiger ist, sollte man meinen, viele möchten einen Inhouse QA Manager mit Fixanstellung.
Gerade bei kleinen Teams ist es sinnvoll, einen “Allrounder” auf dem Gebiet anzustellen. Dieser kann dann mehrere Aufgaben als Schwerpunkt übernehmen:
- Projektmanagement
- Dokumentation
- Coding
- Qualitätssicherung
Je mehr Menschen in der Qualitätssicherung arbeiten, desto besser kann an den Workflows und der Optimierung gearbeitet werden. Leider verabsäumen es viele Firmen, genügend Fachkräfte in der Qualitätssicherung anzustellen, sodass die wenigen Mitarbeitenden mit der Workload überfordert sind und alleine deswegen nicht die beste Leistung erbringen können.
Gute vs. schlechte Konzepte – Wo liegen die Unterschiede?
Ein gutes Konzept erkennt man daran, dass am Papier viel rot durchgestrichen wurde, viel iteriert wird und vieles nochmals neu geschrieben wird. Das Konzept wurde sozusagen getestet.
Am Ende stellt man sich immer die Fragen:
- Was ist die Vision?
- Kann die Vision genutzt werden, um das Konzept zu prüfen?
Ein sehr schlechtes Konzept im Gegensatz dazu ist beispielsweise unkonkret. Ein Beispiel dazu:
Der Vertrieb benötigt einen Button und fordert den vom Product Owner. Darüber hinaus soll der Button aber konfigurierbar und skalierbar sein, sowie eine Custom Funktion haben, die ebenfalls konfigurierbar ist.
Das ist ein klassisches Beispiel von überladenen Konzepten, bei denen keine konkreten Worte benutzt werden, aber viele Anforderungen gestellt werden. Diese können dann in der Realität gar nicht so einfach umgesetzt werden, was unter anderem an einem schlechten Konzept liegt.
Expertentipps für angehende QA Manager und Software Tester
Als Experte kann Florian natürlich einige Tipps geben, um angehenden Testern und QA Manager das Leben etwas leichter zu machen:
- Networking ist unabdinglich. Netzwerke wo du nur kannst. Geh auf Leute zu, sprich sie an und lass dich nicht von anfänglicher Unsicherheit aus dem Konzept bringen.
- Vernetze dich online und offline. LinkedIn ist eine wunderbare Plattform, um sich online mit Menschen aus der Branche auszutauschen. Aber auch offline auf Konferenzen hat man die Möglichkeit, die Branche besser kennenzulernen und wichtige Kontakte zu knüpfen.
- Trau dich, mit Menschen zu reden. Es kostet oft Überwindung, aber all diese Personen haben das gleiche Mindset. Was den Austausch unglaublich erleichtert und zu sehr bereichernden Gesprächen führen kann.
- Investiere in Weiterbildung und Soft Skills. Es braucht gewisse Soft Skills, um gerade die Kommunikation mit anderen Teams zu meistern. Sowohl der Umgang mit seinen Mitmenschen als auch gutes Deutsch und Englisch in Wort und Schrift sind enorm wichtig in diesem Berufsfeld.
- Sammle Erfahrung. Da es keine einheitliche Ausbildung für den Job des Software Testers oder QA Managers gibt, versuche erstmal mehrere Jahre Erfahrung in einem Unternehmen zu sammeln. Probier dich in verschiedenen Bereichen aus und sammel weitere Erfahrungen in verschiedenen Unternehmen.
KI in der Qualitätssicherung
KI ist ja grundsätzlich nichts Neues. Das Thema beschäftigt Florian schon seit vielen Jahren, aber der Hype um KI ist in den letzten Jahren definitiv gestiegen. Vor allem der Umgang mit Spracherkennung ist eher neu und kommt gerade durch Gemini, Chat GPT und Co. schon vermehrt zum Einsatz.
Viele Unternehmen merken erst durch den Trend, der rund um KI herrscht, dass sie weder bereit für den Einsatz von KI sind noch ausreichend bereit für die Digitalisierung sind. KI wird aber über früher oder später überall in den Prozessen eingebunden werden und auch dafür sorgen, dass neue Ideen und Konzepte aufkommen.
Eine Beobachtung von Florian ist, wie Microsoft die KI in den Arbeitsalltag der Menschen einbinden wird, durch Verwendung der bekannten Microsoft Tools. Das Unternehmen wird uns durch KI im Hintergrund beobachten und basierend auf den Informationen, die die KI sammelt, Empfehlungen über unsere Handlungen geben.
In der Qualitätssicherung wird die KI als kleiner Helfer oder Ratgeber fungieren. Außerdem wird sie bald die Arbeitswerkzeuge erweitern, vor allem wenn es um das Thema Automatisierung geht. Das bedeutet auch, dass KI die Effizienz der Software Tester oder QA Manager steigern kann.
Wo man Florian findet:
Hier geht’s zum Linkedin Profil von Florian: https://www.linkedin.com/in/florian-hemmann/
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Durch ihr Tourismusstudium hatte Elisabeth schon viele Berührungspunkte mit Content Marketing. Ihre Leidenschaft für das Schreiben hat sie dann während eines Praktikums als Marketingassistenz für sich entdeckt. Im Copywriting lassen sich ihr vielschichtiges Interesse und die Freude am Schreiben perfekt kombinieren.